GnuPG Pressemitteilung
Lutz Zolondz
lutz.zolondz@g-n-u.de
Wed Jun 20 09:27:01 2001
Hallo,
Werner Koch schrieb:
> Ich hatte Lutz zwar gestern schon eine Mail zum Thema Presseerklärung
> gesendet ohne aber inhaltlich darauf einzugehen (ich war unterwegs und
> konnte sie nicht lesen). Ich habe sie gestern abend gelesen und bin
> *entsetzt*!
>
> * Der Projektträger *GUUG* wird mit keinem Wort erwähnt.
Dies ist ein Übertragungsfehler: In der gedruckten Version wird GUUG
erwähnt.
Allerdings finde ich es bezeichnend, daß sich gerade dieser Fehler
eingeschlichen hat: Wenn dies ein Projekt der GUUG war, finde ich es
merkwürdig, daß der Abschlußbericht bei mir (Peter) hängenblieb und
daß die Projektleitung zum Schluß von Intevation im Auftrag von
G-N-U durchgeführt wurde (wobei die Finanzierung wesentliche Teile
meiner privaten Reserven aufgebraucht hat).
Dein persönliches Engagement steht außer Frage, aber wo war GUUG
während des Projekts? Was tut GUUG im Moment, um das Projekt auch in
Zukunft weiterführen zu können?
> * Das Projekt nennt sich ohne Absprache GnuPP.
Du warst es, der die Bezeichnung "GnuPG-Projekt" für das
Meta-Projekt abgelehnt hat, um es von "GnuPG" im Sinne eines echten
GNU-Projekts abzugrenzen. "Freie Software und IT-Sicherheit" ist für
Werbezwecke zu lang. Die Bezeichnung "GPA-Projekt" wurde von uns
(G-N-U) abgelehnt. Schließlich stellte Thomas Koester (Intevation)
auf der Projektliste den Vorschlag "GnuPP" zur Diskussion, der uns sehr
gefiel und gegen den niemand Einwände erhoben hat.
> * GEAM als wichtiger Teil wird nicht erwähnt.
GEAM ist nicht wirklich ein Bestandteil des vom BMWi geförderten
Projekts, in dem es um eine GUI und MUA-Plug-Ins - eben um
Software für die Endanwender - ging. GEAM direkt neben der
Endanwendersoftware, auf die es dem BMWi ankommt, zum Download
anzubieten, ist nicht sonderlich sinnvoll, zumal für den Einsatz
von GEAM in jedem Fall professioneller Support notwendig ist.
> * Sylpheed wird ebenfalls nicht erwähnt.
Auch Sylpheed ist eigentlich kein Gegenstand des vom BMWi
geförderten Projekts, sondern eine Machbarkeitsstudie, die wir für
die Präsentation im Februar durchgeführt haben. Seitdem zeigen die
Reaktionen der Benutzer, daß Sylpheed in der Windows-Umgebung keine
Akzeptanz findet, sondern die Leute eigentlich Plug-Ins für
existierende MS-Windows-E-Mail-Programme haben wollen.
> * Die angegebenen URLs zum Download der Software zeigen auf veraltete,
> mit Sicherheitsproblemen behaftete und nicht funktionierende
> Versionen.
Die aktuellen Versionen befinden sich auf der CD. Bis jetzt sind wir
noch nicht dazu gekommen, die Webseiten zu aktualisieren.
Ich halte es übrigens weiterhin für eine gute Idee, die jeweils
aktuelle Version auf dem FTP-Server durch einen Symlink zu
kennzeichnen und von den Webseiten aus den Symlink anzulinken.
> * Eine Firma G Data wird im Text prominent genannt als Anbieter eines
> _kostenlosen_ Plugins für Outlook.
Stimmt ja auch genau so. Und daneben steht, daß die Software
demnächst unter LGPL veröffentlicht wird. Dazu wäre G Data
lizenztechnisch _nicht_ verpflichtet, aber mit so einer Erklärung
können sie jetzt kaum noch einen Rückzieher machen.
Ich halte es für eine gute Sache, wenn jetzt eine Firma mehr
ernsthaft damit anfängt, Freie Software zu schreiben.
> Die angegebene URL verzweigt
> offensichtlich direkt auf eine Werbeseite der Firma, auf der ich
> nicht auf Anhieb etwas über das besagte Plugin finden konnte.
> Vielmehr wird dort Werbung für offensichtlich proprietäre Software
> gemacht.
Die Seitengestaltung wird auch von uns kritisiert. Wir haben
Thorsten Kraft (EDV-Leiter bei G DATA) gebeten, anstelle der Seite
über G Data die über das Plug-In als Startseite zu nehmen, und die
haben es sofort geändert.
> * Ungefragt meine Firma als Projektpartner in einer Art und Weise am
> Ende der PM zu erwähnen, die den Eindruck erweckt, die PM ist von
> mir mitverfasst worden, ist eine Unmöglichkeit.
Dieser Eindruck war nicht beabsichtigt. Beabsichtigt war, die am
Projekt Beteiligten zu nennen.
> Warum als URL
> meiner Firma www.gnupg.org (welches eine offizielle GNU site ist)
> angegeben ist und nicht die den Beteiligten bekannte URL
> www.g10code.com oder zumindest eine Mailadresse, ist mir vollkommen
> unverständlich.
Bedauerlicher Fehler. www.g10code.com war mir (Lutz) nicht bekannt.
> * Dem Leser wird der Eindruck vermittelt, es handelt sich um ein GNU
> Projekt: GnuPG, GnuPP, GNU Privacy Assistant, gdata, gpg, G-N-U, GNU
> GPL. Lediglich GnuPG ist ein GNU Projekt; diese Namen für eine noch
> unzulängliche Software zu benutzen leistet dem GNU Projekt einen
> Bärendienst
Das sehen wir anders:
- GPA ist bereits durch seine Versionsnummer eindeutig als "noch
nicht fertig" erkennbar.
- Das GNU-Projekt ist in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt.
Je öfter wir es erwähnen, desto eher hat es eine Chance, daß
sich irgendwann mal die Leute auch daran erinnern, wenn sie ihre
nächste "Linux-Distribution" kaufen.
- Definitionsstreitigkeiten interessieren die Öffentlichkeit
nicht. Natürlich können wir irgendwo zusätzlich erwähnen, daß
GnuPG ein offizielles GNU-Projekt ist (und die anderen
Teilprojekte dann naturgemäß nicht), aber meiner (Peter) Meinung
nach erzeugt das vor allem Verwirrung.
- Es wird gezeigt, daß die Freie-Software-Gemeinschaft in der Lage
ist, in vorgegebener Zeit ein definiertes Ergebnis zu erzielen
(mehr oder weniger). Auch das ist positiv für das GNU-Projekt.
> Ich weiss nicht wer diese PM geschrieben hat, sie kann aber nicht
> allein durch das BMWi geschrieben worden sein, sondern beruht zumindest
> auf einem Entwurf einiger der beteiligten Firmen. Ich bitte deswegen
> zunächst um eine Stellungnahme.
Das BMWi hat eine Anfrage an die G-N-U GmbH (de facto: Soquat an
Zolondz) gerichtet. Auf meinen (Lutz) Vorschlag wurde der Auftrag
von Linuxland abgewickelt. Lutz Zolondz ist für den Inhalt
verantwortlich. Das BMWi (Soquat) erwartet zielgerichtete und
ergebnisorientierte Abwicklung, keine wochenlangen Diskussionen über
die Formulierung eines Satzes, der den Ausdruck "GNU" enthält.
Entweder wir versuchen, den politischen Einfluß, den wir zur Zeit
noch haben, zu nutzen, oder wir lassen es sein und überlassen
TeleTrusT das Feld! (Es gab bereits eine Beschwerde von R. Roy
(MS Deutschland) gegenüber Soquat bzgl. der Feststellung, daß nur
mit quelloffener Software echte Sicherheit zu erreichen ist. Die
schlafen nicht und können verflixt viel bewirken!)
Lutz und Peter